Dienstag, 21. Juli 2009

ABM Schiffbau und Flugzeugbau in Berlin

Mag.art. Heinz Linner blieb nach Planung des Luftwaffenmuseums Berlin-Gatow nur wenig Zeit zur Regeneration, denn einige Wochen später kam ein Anruf aus Berlin, ein Herr Ossowski möchte erfahren, ob Linner jener Architekt sei, der das Projekt "Friedrich Wilhelm zu Pferde" erarbeitet habe. Auf die zustimmende Antwort führte der Anrufer an, er sei vom Senat für Arbeit und Frauen und er hätte die Mittel der Finanzierung des Schiffsbaus.
Nun ist ein 60-Kanonenschiff des späten 17. Jh. ein relativ großes Gebilde, mit 50m Länge, 12m Breite und über 40m hohen Masten. Linner war durchaus skeptisch, was die Glaubwürdigkeit der Finanzierung betraf, willigte jedoch ein, nochmals nach Berlin zu kommen, um das Projekt weiter zu besprechen.
Nun stellte sich heraus, im Osten Berlins, in Köpenick, gab es eine ehemalige DDR Werft, wo früher Marine- und Vopo-boote gebaut wurden, jetzt ein historisches Segelschiff, die Yacht (Fregatte) "Royal Luise", ein Berliner Denkmalschiff, welches Ende 45 in Kiel demoliert wurde. Dieses Fahrzeug sollte wieder auf der Havel fahren und Preußens Gloria verkörpern (das Original war ein Geschenk des Königs von England an den preußischen König).
In der Yachtwerft sollte Linner mit 35 Mitarbeitern seine schwere Fregatte in ABM realisieren, beginnend mit dem Bau eines Modells im M 1:25. Endgültiger Liegeplatz des Schiffes wäre dann bei der Zitadelle von Spandau als Museumsschiff mit Bordgastronomie, gerichtet für 450 Gäste.
Offensichtlich war dem Senat ernst mit dem Projekt, da Linner mit den durchführenden Firmen (Arbeitsbeschaffende Maßnahmen ABM) Verträge unterfertigte und mit der Arbeit der Vorplanung begann. Eine weitere Maßnahme wurde Linner angeboten und angenommen, der Bau von historischen Flugzeugen in ABM (ebenfalls 30 Mitarbeiter), zuerst die beabsichtigten Typen im Modell M 1:5, dann flugfähig im M 1:1. Als Typen wurde eine Etrich-Taube, ein Harlan, ein Albatros B I, ein Pfeilflieger und ein Grade ausgewählt.
Die Werftleitung verschaffte Linner eine Wohnmöglichkeit in Eichwalde, eine Etage einer Villa mit 250m2, mit Park, Infrastruktur und Vorortflair. Ikea in Reichweite mit Inbegriffen.
Linner übersiedelte nun von Wien nach Eichwalde, mit seinem Opel-Rekord LKW und seinem 280 SE Mercedes, worauf der Opel prompt einige Wochen später gestohlen und zu Schrott gefahren wurde. Täter gab es keinen, obwohl Linner den Verdacht hatte, arbeitslose Jugendliche hätten den Wagen geklaut (was sich später auch herausstellte). Die Polizei unternahm nichts, außer den Schaden festzustellen. Offensichtlich wurden derartige Delikte in Eichwalde nicht bearbeitet.
In der Yacht-Werft war Linner nun doppelt angagiert - eineseits beim Bau des Fregatten-Riesenmodells, anderseits mit dem Bau der Flugzeugmodelle und (später dazugenommen) Bau eines Grade-Eindeckers 1909 im M 1:1. Den Grade realisierte Linner mit zwei Helfer in 10 Wochen, allerdings nicht flugfähig, da der geeignete Motor fehlte. Aus Trabant-Motorteilen wurde eine Attrappe des Grade-Motors erstellt und einstweilen in das Flugzeug eingebaut.
Grundsätzlich wurde der Grade flugfähig gebaut, mit einem geeigneten Motor wäre der Vogel problemlos geflogen.
Das Luftwaffenmuseum stellte eine Vampire als Ausstellungsstück zu Verfügung, bei der nach ein paar Tage die Cockpithaube eingeschlagen wurde und Instrumente ausgebaut wurden. Die Mißachtung fremden Eigentums schien in der ehemaligen DDR zum Tagesablauf zu gehören. Geklaut wurde in allen Ecken und Enden.
Ossowski sorgte für Dauerbeschäftigung von Linner - er bombardierte Linner mit Vorschlägen für weitere Projekte : das Freizeit- und Kulturzentrum FEZ, den Saurierpark, das Projekt "Tenochtitlan" in der Lausitz, Kurfürstliche Yacht "Fridericus Rex", Ausbau des Osthafens zum Erlebnis- und Freizeitpark, Oldtimerautobusse für Berlin, Berlin-Tivoli, das Siemens-Schloß (eine Gründerzeit-Villa), der "Navale Wanderweg durch Berlin Mitte", ein Luftbrückendenkmal im Tiergarten und eine schwebende Ummantelung der Siegessäule.
Grund genug für Linner, rund um die Uhr tätig zu werden, Planungen über Nacht zu Papier zu bringen und von einer Besprechung zur anderen zu jagen. Insbesonder das Luftbrückendenkmal hilt Linner in Aktion, der Entwurf war in 3 Tagen fertig und die Leute des Senats fanden ihn "Affengeil". Krach gab es desholb nur mit den Umweltschützen, die das Denkmal nicht in der Grünzone des Tiergartens haben wollten. Nach längerer Diskussion und Linners Ansprache "Meine Herren, es geht hier um die Ehrung der Leute, die eurer Berlin gegen die Sowjets verteidigt und erhalten haben, dies ist eindeutig eine politische Aussage" wurde dem Entwurf zugestimmt.
In der Werft wurde das Modell der Fregatte fertig und auch die Modelle der Flugzeuge waren lieferbereit. Nun stellte sich die Frage, was geschieht nun eigentlich mit den Dingern ? Denn einen bestimmten Auftrag für die Erstellung gab es nicht, die Werftmodelle wurden einfach gebaut um Arbeitsplätze zu erhalten.
Eine bemerkenswerte Tatsache fiel Linner auf - in der anbei liegenden Berliner Werft war eine Werksküche aktiv, welche immer noch an die 150 Menüs pro Tag erbrachte, und dies zu einen äußerst niedrigen Preis. Nur - die Werft arbeitete nicht mehr mit einer Belegschaft von 150 Mann, sondern mit max. 30-40 MA. Grund genug, um beim Mittagessen einen kostenlosen Nachschlag zu erbeten und auch als Abendessen mitzunehmen, denn der Rest wurde weggeworfen oder als Viehfutter verkauft. Einige Zeit später wurde nach Einspruch mehrerer Personen die restlichen Menüs an Bedürftige abgegeben.
Die Yachtwerft war ein positives Erleben für Linner, jedoch als Werft und Werkstätte für Flugzeugbau war die Anlage nicht geeignet, da kein Flugplatz in erreichbarer Nähe war, denn Adlershof/Johannisthal war nur noch ein Ruinengelände und ein Schuttplatz.
Zu diesen Zeitpunkt meldete sich ein Herr Heller, Flugplatzbetriebsleiter von Fürstenwalde, der die Möglichkeit anbot, in Fürstenwalde Flugzeuge zu bauen. Nach einiger Überlegung wurde dieser Vorschlag angenommen. Eine ABM sollte die Maschinen in Brandenburg realisieren.

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